Illness name: arzneimittelexanthem
Description:
Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.
Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).
Das
Arzneimittelexanthem
ist eine allergische oder pseudoallergische Hautreaktion auf ein Medikament. Wichtigster Hinweis darauf ist der zeitliche Zusammenhang zwischen Medikamentenanwendung und Ausschlag. Außer bei schweren allergischen Reaktionen und solchen, die den gesamten Körper betreffen, bilden sich die Symptome nach dem Absetzen des Medikaments meist ohne bleibenden Schaden wieder zurück. Lesen Sie hier mehr zu Symptomen, Diagnostik und Therapie des Arzneimittelexanthems!
Das Arzneimittelexanthem ("Medikamentenausschlag") ist ein allergisch oder pseudoallergisch bedingter Hautausschlag, der durch ein innerlich oder äußerlich angewendetes Medikament hervorgerufen wird. Er zählt zu den häufigsten Arzneimittelnebenwirkungen.
In den meisten Fällen sind Antibiotika der Auslöser eines Arzneimittelexanthems, vor allem Penicilline. So kann sich etwa unter der Behandlung mit
Ampicillin
ein pseudoallergischer Ausschlag entwickeln (Ampicillinexanthem). Andere Medikamentengruppen, die ein Arzneimittelexanthem verursachen können, sind zum Beispiel entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (wie ASS,
Ibuprofen
,
Diclofenac
) sowie Epilepsie- und Gichtmedikamente.
Oft ist der Medikamentenwirkstoff selbst für ein Arzneimittelexanthem verantwortlich. In anderen Fällen sind Hilfsstoffe des Medikaments Auslöser des Hautausschlags, zum Beispiel Konservierungs- oder Farbstoffe.
Bei einem allergisch bedingten Arzneimittelexanthem kann die Überreaktion des Immunsystems so weitreichend sein, dass sich zu den Hautveränderungen auch Symptome gesellen, die ein ganzes Organsystem oder den ganzen Körper betreffen (systemische Symptome). Dazu zählen zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen,
Durchfall
, Schleimhautschwellungen und Herz-Kreislauf-Störungen.
Ein Arzneimittelexanthem kann
an fast allen Körperstellen
auftreten, auch im Bereich der Schleimhäute. Typischerweise entwickelt es sich jedoch an den Extremitäten (Arme, Beine) und am Körperstamm (
Brust
, Bauch, Rücken). Manchmal breitet sich das Arzneimittelexanthem vom Rumpf her aus; in anderen Fällen dehnt es sich von den Extremitäten ausgehend auf den Körperstamm aus.
Das Arzneimittelexanthem ist eine
sehr vielgestaltige Hauterscheinung
. So lässt es sich leicht mit dem großfleckigen Ausschlag bei Masern, mit dem kleinfleckigen bei
Röteln
oder auch mit den Hautveränderungen bei
Scharlach
oder
Syphilis
verwechseln.
In den meisten Fällen zeigt sich das Arzneimittelexanthem als
rötliche Erhebung
, oft auch ähnlich einem Mückenstich. Auch
Quaddeln
(Urtikaria =
Nesselsucht
) sind häufiges Symptom eines Arzneimittelexanthems. Manchmal bilden sich teils große Blasen, die platzen (
bullöse Form
).
An der Art eines Ausschlags lässt also nicht sicher erkennen, ob es sich um ein Arzneimittelexanthem handelt oder nicht. Darüber hinaus kann ein Medikamentenausschlag unterschiedlich heftig ausfallen – manchmal ist er nur leicht und kleinflächig. In schweren Fällen kann sich die
Haut
auch großflächig ablösen und absterben.
Bei einem allergisch bedingten Arzneimittelexanthem gesellen sich in ernsteren Fällen noch weitere Symptome hinzu wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen sowie Schleimhautschwellungen im
Mund
und
Rachen
. Damit verbunden ist dann ein mehr oder weniger ausgeprägtes Krankheitsgefühl, gelegentlich auch mit Fieber. Zusätzlich können Lymphknoten in der Nähe anschwellen. Bei einer sehr schweren allergischen Reaktion ist auch das Herz-Kreislauf-System betroffen.
Besondere Formen des Arzneimittelexanthems sind zum Beispiel:
Das sogenannte fixe Arzneimittelexanthem entwickelt sich beim ersten Mal meist innerhalb von zwei Wochen. Bei erneuter Anwendung des betreffenden Medikaments können abgeheilte Herde auf der Haut schon innerhalb von 30 Minuten bis 12 Stunden reaktiviert werden.
Der Ausschlag tritt meist als einzelner Herd in Erscheinung. Er ist rund bis oval geformt, scharf begrenzt und rötlich gefärbt. Mit der Zeit kann er sich dunkler verfärben. Oft findet sich ein fixes Arzneimittelexanthem zum Beispiel an Armen, Beinen oder im Genitalbereich (auch an der Schleimhaut).
Typische Auslöser dieses Medikamentenausschlags sind Antibiotika (z.B. Clotrimazol, Tetrazykline), Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Barbiturate sowie entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR (wie Ibuprofen, Diclofenac).
Dabei handelt es sich um einen fleckig-knotigen Hautausschlag, der mit der Bildung von Blasen, Nesselausschlag (Urtikaria) und Einblutungen in die Haut (Purpura) einhergehen kann. Bevorzugt bildet sich dieses Arzneimittelexanthem am Körperstamm. Kopf, Handflächen und Fußsohlen bleiben immer ausgespart.
Ein makulopapulöses Exanthem kann sich zum Beispiel nach der Einnahme bestimmter Antibiotika (wie Sulfonamide, Penicilline) oder Epilepsie-Medikamente entwickeln. Meist zeigt es sich etwa zehn Tage nach Beginn der Therapie. Vereinzelt entwickelt es sich erst später oder sogar erst einige Tage nach Therapieende.
Das makulopapulöse Exanthem ist die häufigste Form von Arzneimittelreaktion.
Eine weitere Sonderform der medikamentenbedingten Hautreaktionen ist die akute generalisierte exanthemische Pustulose (AGEP), auch toxisches Pustuloderm genannt. Beim ersten Mal entwickelt sie sich innerhalb von drei Wochen nach Beginn der Medikamentenanwendung (verschiedene Antibiotika). Später kann sie schon innerhalb weniger Tage auftreten.
Typisch für die AGEP ist eine geschwollene Hautrötung, die sich schnell großflächig ausbreitet. Im weiteren Verlauf bilden sich zahlreiche, kleine Pusteln, besonders in den Körperfalten. Weitere mögliche Symptome sind etwa Schwellungen im Gesicht, Einblutungen in die Haut (bevorzugt an den Beinen) und Fieber.
Im Allgemeinen heilt diese Form von Arzneimittelexanthem innerhalb von zwei Wochen unter Bildung feiner Schuppen ab.
Das Erythema exsudativum multiforme kann nicht nur durch Medikamente ausgelöst werden, sondern beispielsweise auch durch Infektionen (etwa mit Herpes-simplex-Viren oder Streptokokken).
Die Patienten entwickeln scheibenförmige, nässende Herde mit rotem Rand und bläulich gefärbter Mitte. Betroffen sind meist die Streckseiten der Hände und Arme, manchmal auch die Schleimhäute. Bei den betroffenen Patienten kann auch der Allgemeinzustand schwer beeinträchtigt sein.
Das sind seltene, aber schwere Formen von Arzneimittelexanthemen. Es können sich hier große Haut- und Schleimhautareale ablösen und absterben. Das sieht dann oft wie verbrühte Haut aus. Beim Steven-Johnson-Syndrom sind unter zehn Prozent der Körperoberfläche betroffen, bei der Toxisch epidermalen Nekrolyse (auch Lyell-Syndrom genannt) mindestens 30 Prozent.
Neben der starken Hautreaktion machen sich beide Varianten auch in Symptomen an
Leber
,
Darm
und
Lunge
sowie durch Fieber bemerkbar.
Mögliche Auslöser des Stevens-Johnson-Syndroms und der Toxisch epidermalen Nekrolyse sind zum Beispiel das Gichtmittel
Allopurinol
und Sulfonamid-Antibiotika.
Auch das DRESS-Syndrom (DRESS = drug reaction with eosinophilia and systemic symptoms) ist eine seltene, aber schwere Form von Arzneimittelreaktion. Es beginnt einige Wochen nach Anwendung des auslösenden Medikaments mit hohem Fieber,
Muskelschmerzen
und einem fleckig-knotigen Hautausschlag. Begleitend treten Gesichtsschwellungen,
Rachenentzündung
und geschwollene Lymphknoten auf.
Im weiteren Verlauf entwickeln sich Symptome im Bereich innerer Organe, etwa in Form von Leberentzündung (
Hepatitis
), Nierenentzündung (Nephritis), Herzmuskelentzündung (Myokarditis) oder
Lungenentzündung
(Pneumonie). Der Zustand der Betroffenen kann sich schnell verschlechtern.
Das DRESS-Syndrom kann sich zum Beispiel als Reaktion auf bestimmte Mittel gegen
Epilepsie
(
Phenytoin
,
Carbamazepin
) oder das Gicht-Medikament Allopurinol entwickeln.
In den meisten Fällen ist ein Arzneimittelexanthem eine allergische Reaktion auf ein Medikament. Seltener ist es nicht allergisch bedingt, sondern eine Pseudoallergie.
Das Immunsystem betrachtet hier ein Medikament als gefährlichen Fremdstoff, den es zu bekämpfen gilt – die Folge ist eine
allergische Reaktion
, meistens eine vom
Typ IV
. Das ist eine Allergie vom verzögerten Typ (Spättyp): Sie wird durch T-Zellen (T-Lymphozyten) vermittelt, und die Allergiesymptome setzen hier verzögert ein:
Beim ersten Kontakt mit einem neuen Medikament dauert es meist mehrere Stunden bis Tage, bis sich das Arzneimittelexanthem entwickelt. Manchmal vergehen auch Wochen (teils bildet sich der Medikamentenausschlag erst nach Absetzen des Medikaments). Wird das Medikament später erneut angewendet, setzen die Hautreaktionen in der Regel schon früher ein – häufig schon nach Stunden oder wenigen Tagen.
Nicht immer löst schon der erste Kontakt mit einem Medikament eine Sensibilisierung aus, also die Einstufung als vermeintlich gefährliche Substanz durch das Immunsystem. Manchmal wird ein Medikament erst einige Mal problemlos angewendet, bevor das Immunsystem es plötzlich als gefährlich ansieht und dagegen vorzugehen beginnt.
Einige
Risikofaktoren
begünstigen allergische Reaktionen auf Medikamente (etwa in Form eines allergisch bedingten Arzneimittelexanthems). Beispielsweise erhöht sich das Risiko einer Medikamentenallergie, wenn ein Arzneistoff als
Infusion
oder Injektion (Spritze) verabreicht oder auf die Haut aufgetragen wird. Das Gleiche gilt, wenn ein Medikament wiederholt angewendet wird.
Auch manche Erkrankungen sind Risikofaktoren für eine Arzneimittelallergie. Das trifft zum Beispiel auf Autoimmunerkrankungen sowie auf Infektionen mit dem AIDS-Erreger HIV oder mit diversen Herpes-Viren (wie dem Epstein-Barr-Virus, dem Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers) zu.
Darüber hinaus können bestimmte genetische Faktoren das Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen auf Medikamente erhöhen. Das ist größtenteils aber noch Gegenstand der Forschung.
Ein Medikamentenausschlag kann sich auch ohne allergische Reaktion des Immunsystems entwickeln. Beispielsweise können Kortison-Präparate einen Akne-ähnlichen Ausschlag hervorrufen. Das Gleiche gilt für Medikamente mit Lithium, die bei bestimmten psychischen Erkrankungen verordnet werden.
Manche Medikamente machen die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlen. Während der Behandlung kann die Haut deshalb unter der Einwirkung von Sonnenlicht oder im Solarium sich schmerzhaft röten (
phototoxische Reaktion
) oder sogar allergisch reagieren (
photoallergische Reaktion
). Das kann zum Beispiel bei der Behandlung mit bestimmten Antibiotika (wie Tetrazykline) und mit dem Entwässerungsmittel (Diuretikum)
Furosemid
passieren. Mehr zu phototoxischen und photoallergischen Reaktionen lesen Sie im Beitrag
Sonnenallergie
.
Eine häufige Form von pseudoallergischem Arzneimittelexanthem ist das
Ampicillinexanthem (Aminopenicillin-Exanthem)
. Dieser masernartige Ausschlag kann sich während oder nach der Behandlung mit Antibiotika der Gruppe Aminopenicilline (Ampicillin,
Amoxicillin
) entwickeln, wenn gleichzeitig bestimmte Virusinfektionen vorliegen – darunter besonders das Pfeiffersche Drüsenfieber: 30 bis 70 Prozent der erwachsenen Patienten sowie fast alle Kinder mit Pfeifferschem Drüsenfieber entwickeln unter der Behandlung mit einem Aminopenicillin diese Medikamentenausschlag. Sobald die Virusinfektion ausgeheilt ist, vertragen die Patienten das betreffende Antibiotikum aber oft wieder ohne Probleme.
Wenn Sie einen unklaren Hautausschlag entwickeln – vor allem (kurz) nach Anwendung eines neuen Medikaments – , sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen. Wenden Sie sich am besten an jenen Mediziner, der Ihnen das betreffende Medikament gegebenenfalls verschrieben hat. Ein geeigneter Ansprechpartner ist aber auch ein Facharzt für Hauterkrankungen (Dermatologe).
Der Arzt wird zuerst in einem ausführlichen Gespräch wichtige Hintergrundinformationen zu Ihrer
Krankengeschichte
(
Anamnese
) einholen. Mögliche Fragen sind unter anderem:
Da das Arzneimittelexanthem einer Vielzahl anderer Erkrankungen ähnlich sein kann, kommt dem ärztlichen Gespräch und damit der Klärung des Zusammenhangs mit einer Medikamenteneinnahme eine besondere Bedeutung zu.
Nach dem Gespräch wird der Arzt den
Hautausschlag genauer begutachten
. Zudem kann er
Blutproben
entnehmen und zur Analyse ins Labor schicken. Möglicherweise ergeben sich auffällige Befunde wie Blutbildveränderungen, die bei der Abklärung des Hautausschlags hilfreich sind.
Die Informationen aus dem Anamnesegespräch und der Blick auf den Ausschlag reichen dem Arzt manchmal schon aus, ein Arzneimittelexanthem zu vermuten. Gegebenenfalls empfiehlt er, ein vermutlich verantwortliches
Medikament probeweise abzusetzen
(falls es nicht unbedingt notwendig ist). Wenn sich der Ausschlag daraufhin bessert, erhärtet das den Verdacht auf ein Arzneimittelexanthem durch dieses Präparat.
Setzen Sie ein ärztlich verordnetes Medikament nicht auf eigene Faust ab! Halten Sie zuerst Rücksprache mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise der behandelnden Ärztin.
Verschiedene Tests können helfen, den Auslöser für ein Arzneimittelexanthem zu finden und gegebenenfalls den dahinterstehenden Mechanismus aufzuklären. Solche Untersuchungen führen Mediziner in der Regel nach Abklingen der Symptome durch.
Vermutet der Arzt hinter einem Arzneimittelexanthem eine allergische Reaktion, kommt ein
Hauttest
zur Anwendung, etwa ein sogenannter
Epikutantest
: Dabei bringt der Arzt eine kleine Menge jener Substanz / jener Substanzen auf die Haut des Patienten auf, die möglicherweise den Ausschlag verursacht hat / haben. Nach einiger Zeit prüft er, ob die Haut an der betreffenden Stelle / den betreffenden Stellen überempfindlich reagiert hat. Wenn ja, spricht das für ein allergisch bedingtes Arzneimittelexanthem, ausgelöst durch die an dieser Stelle aufgetragenen Substanz.
Ein negatives Testergebnis schließt einen allergisch bedingten Medikamentenausschlag nicht aus! Umgekehrt ist ein positiver Hauttest nicht immer ein Beweis für ein allergisches Arzneimittelexanthem. Zumal nur für wenige Arzneimittelgruppen validierte Hauttests zur Verfügung stehen, unter anderem für Röntgenkontrastmittel und Beta-Laktam-Antibiotika.
Für einige wenige Arzneimittel gibt es standardisierte
In-vitro-Tests
("in vitro" heißt "im Glas", also in Laborgefäßen), die sich zur Diagnostik einer Arzneimittelüberempfindlichkeit eignen. Beispielsweise lässt sich eine Penicillinallergie durch den Nachweis spezifischer Antikörper im
Blut
nachweisen.
Ein anderes In-vitro-Verfahren ist der Lymphozytentransformationstest. Bei diesem
Allergietest
sucht man in einer Blutprobe des Patienten spezifische Immunzellen gegen den vermuteten Auslösers des Ausschlags. Das Verfahren ist aber schwierig und aufwendig. Es wird daher nicht routinemäßig zur Abklärung eines allergischen Arzneimittelexanthems eingesetzt.
In unklaren Fällen kann manchmal ein
Provokationstest
sinnvoll sein: Der Arzt verabreicht dem Patienten gezielt das im Verdacht stehende Medikament, um zu schauen, wie er darauf reagiert. Das kann unter Umständen aber sehr gefährlich werden, wenn der Patient eine schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktion entwickelt! Deshalb wird ein Provokationstest unter ärztlicher Überwachung durchgeführt.
Zum Ausschluss anderer möglicher Ursachen für den Ausschlag ist es manchmal notwendig, eine Gewebeprobe der veränderten Hautstelle zu entnehmen (
Hautbiopsie
) und im Labor genauer zu untersuchen.
Mediziner interpretieren Testergebnisse immer im Zusammenhang mit den Informationen aus dem Anamnesegespräch und der körperlichen Untersuchung.
Im Allgemeinen sollte das Medikament, das (vermutlich) den Ausschlag verursacht, nach ärztlicher Rücksprache (!) abgesetzt werden – außer das Arzneimittelexanthem ist nur sehr leicht ausgeprägt. Gegebenenfalls verordnet der Arzt ein besser verträgliches Ersatzmedikament.
Manchmal ist ein (auslösendes) Medikament unverzichtbar für die Behandlung einer bestehenden Erkrankung, darf also nicht abgesetzt werden – selbst wenn es ein ausgeprägtes allergisches Arzneimittelexanthem hervorruft. Dann kann der Arzt vor der Einnahme vorbeugend Kortison und Antihistaminika geben, um die allergische Reaktion abzuschwächen.
Um die Symptome eines Arzneimittelexanthems zu lindern, können Mediziner ein Antihistaminikum oder Kortison verordnen. In leichteren Fällen genügt eine lokale Behandlung, etwa mit einer Salbe.
In schwereren Fällen ist meist eine systemische Behandlung mit Tabletten oder Infusionen notwendig. Je nach Bedarf kommen auch weitere Medikamente zum Einsatz, zum Beispiel Schmerzmittel oder Antibiotika. Letztere sind angezeigt, wenn sich die durch das Arzneimittelexanthem vorgeschädigte Haut mit
Bakterien
infiziert hat.
Schwere Formen von Arzneimittelreaktionen wie die Toxisch epidermale Nekrolyse (Lyell-Syndrom) und das DRESS-Syndrom können lebensbedrohlich werden. Betroffene Patienten müssen deshalb im Krankenhaus beziehungsweise auf einer Intensivstation behandelt und überwacht werden.
In den meisten Fällen bildet sich ein Arzneimittelexanthem bald nach dem Absetzen des auslösenden Medikaments wieder zurück. Sehr schwere Verläufe wie bei der Toxisch epidermalen Nekrolyse können jedoch tödlich enden.
In den meisten Fällen ist die Prognose bei einem Arzneimittelexanthem aber gut. Abgesehen von einer Verfärbung der Haut wie bei einem fixen Arzneimittelexanthem, hinterlässt ein Arzneimittelexanthem in den allermeisten Fällen keinen bleibenden Schaden. Ausnahmen bilden schwere Krankheitsfälle, wo es beispielsweise zu Schleimhautverklebungen kommen kann.
Nach einem allergisch bedingten Arzneimittelexanthem und dem Abschluss der Allergie-Diagnostik können sich Betroffene vom Arzt einen Allergiepass ausstellen lassen. Darin wird das allergieauslösende Medikament vermerkt. Gegebenenfalls trägt der Arzt auch geeignete Ausweichmedikamente ein, die er idealerweise zuvor beim Patienten auf Verträglichkeit getestet hat.
Auf jeden Fall sollte der Patient, wenn irgend möglich, das auslösende Medikament meiden. Am besten sollte er sich den Namen des Medikaments auch notieren und diese Notiz etwa in der Brieftasche mitführen. So hat er jeden Mediziner im Falle einer erneuten Behandlung schnell auf das früher aufgetretene allergische Arzneimittelexanthem aufmerksam machen. Das ist deshalb wichtig, weil bei der erneuten Gabe des Auslösers die allergische Reaktion oftmals heftiger ausfällt als beim ersten Mal.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.
Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.
Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).
Arzneimittelexanthem
Kurzübersicht
Arzneimittelexanthem: Beschreibung
Arzneimittelexanthem: Symptome
Aussehen
Weitere Symptome
Sonderformen des medikamentenbedingten Hautausschlags
Fixes Arzneimittelexanthem
Makulopapulöses Exanthem
Akute generalisierte exanthemische Pustulose (AGEP)
Erythema exsudativum multiforme
Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und Toxisch epidermale Nekrolyse (TEN)
DRESS-Syndrom
Arzneimittelexanthem: Ursachen und Risikofaktoren
Allergisch bedingtes Arzneimittelexanthem
Pseudoallergisch bedingtes Arzneimittelexanthem
Arzneimittelexanthem: Untersuchungen und Diagnose
Tests
Arzneimittelexanthem: Behandlung
Medikamentöse Behandlung
Arzneimittelexanthem: Krankheitsverlauf und Prognose
Allergiepass
Autoren- & Quelleninformationen