Illness name: arteriosklerose
Description:
Dr. Andrea Bannert ist seit 2013 bei NetDoktor. Die promovierte Biologin und Medizinredakteurin forschte zunächst in der Mikrobiologie und ist im Team die Expertin für das Klitzekleine: Bakterien, Viren, Moleküle und Gene. Sie arbeitet freiberuflich zudem für den Bayerischen Rundfunk und verschiedene Wissenschaftsmagazine und schreibt Fantasy-Romane und Kindergeschichten.
Bei einer
Arteriosklerose
verengen sich die Arterien durch Ablagerungen. In der Folge ist der Blutfluss eingeschränkt oder schlimmstenfalls ganz unterbrochen – dann droht ein Infarkt. Besonders häufig sind ältere Menschen von Arteriosklerose betroffen, aber auch Lebensstilfaktoren wie eine fettreiche Ernährung oder mangelnde Bewegung erhöhen das Arteriosklerose-Risiko. Hier erfahren Sie alles Wichtige zu Risikofaktoren, Folgen und Vorbeugung von Arteriosklerose.
Die Arteriosklerose, umgangssprachlich auch als Arterienverkalkung bezeichnet, ist eine Erkrankung der Schlagadern im Körper (Arterien). Diese
Blutgefäße
führen definitionsgemäß das
Blut
vom Herzen weg. Im großen
Blutkreislauf
transportieren sie sauerstoffreiches Blut vom Herzen zu den Organen, Muskeln und Geweben. Bei Arteriosklerosepatienten lagern sich Blutfette, Blutgerinnsel, Bindegewebe und Kalk in den Gefäßwänden ab. Diese Ablagerungen werden als
Plaques
bezeichnet.
Eine Arteriosklerose umfasst alle Verhärtungen der Schlagaderwand. Dazu zählt also zum Beispiel auch die Mönckeberg-Mediasklerose, bei der die mittlere Gefäßwand (Media) verkalkt. Sie ist Folge von zu viel
Kalzium
im Blut und mit Erkrankungen wie dem Chronischen Nierenversagen oder der Zuckerkrankheit Diabetes vergesellschaftet. Die weithin bekannte und häufigste Form der Arteriosklerose mit Plaquebildung in der Gefäßinnenwand (Intima) heißt
Atherosklerose
. Im täglichen Sprachgebrauch werden aber beide Begriffe oft gleichgesetzt.
Prinzipiell kann sich eine Arteriosklerose in allen Arterien des Körpers entwickeln, bevorzugt entsteht sie aber in bestimmten Gefäßregionen im Hals, im
Gehirn
, am Herzen, im Becken oder den Haupt- und Beinschlagadern. Besonders häufig sind Stellen betroffen, an denen der Blutfluss physikalisch bedingt auf Hindernisse trifft – zum Beispiel an Gefäßverzweigungen. Die Folge der Arteriosklerose: Die Blutgefäße werden enger und verlieren ihre Elastizität.
Dadurch kann das Blut nicht mehr ungehindert fließen. Schlimmstenfalls bildet sich an den Plaques ein Pfropf aus Blutplättchen (Thrombus) – dann droht ein Infarkt. Die Gefäßwand kann durch Arteriosklerose aber auch derart geschwächt werden, dass sie sich erweitert und ein
Aneurysma
entsteht. Folgeerscheinungen der Arteriosklerose sind die häufigste Todesursache in den westlichen Industrienationen.
Arteriosklerose entwickelt sich langsam – oft zeigen sich erst nach Jahren bis Jahrzehnten entsprechende Symptome. Häufig treten die Symptome der Arteriosklerose erst in höherem Alter auf. Wie sich die Krankheit äußert, hängt davon ab, welche Gefäße im Körper betroffen sind.
Sind die
Herzkranzgefäße
verengt, liegt eine
Koronare Herzkrankheit
vor. Symptome entstehen durch die verminderte Durchblutung des Herzmuskels. Patienten verspüren ein Engegefühl im Brustkorb oder linksseitige Brustschmerzen (
Angina pectoris
). Verschließt ein Blutgerinnsel eine bereits verengte Koronararterie, kommt es zu einem
Herzinfarkt
.
Ist der Blutfluss in der
Halsschlagader
und ihren Ästen gestört oder wird die Halsschlagader durch ein Blutgerinnsel verstopft, droht ein
Schlaganfall
. Es kommt zu Funktionsstörungen des Nervensystems wie Lähmungen oder Sprachstörungen.
Auch
Arterien im Becken
und in den Beinen
können durch Arteriosklerose verengt sein. Die sogenannte periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) entsteht durch Durchblutungsstörungen in Oberschenkeln und Waden. Bereits nach kurzen Gehstrecken treten dann Beinschmerzen auf. Weil Betroffene häufige Gehpausen einlegen müssen, spricht man auch von der "Schaufensterkrankheit" (Claudicatio intermittens). Durch Arterienverengungen im Becken kann es bei Männern auch zu Impotenz kommen.
Arteriosklerose in den
Nierengefäßen
führt zu Symptomen einer eingeschränkten
Nierenfunktion
und zu
Bluthochdruck
. Im schlimmsten Fall kommt es zum Nierenversagen.
Wie Arteriosklerose genau entsteht, ist noch nicht bekannt. Unmittelbare Ursache ist die Schädigung der inneren Gefäßwandschicht. Diese begünstigt unter anderem eine Anlagerung von Fetten. Wodurch diese Arterienschädigung hervorgerufen wird – darüber sind sich die Experten nicht einig. Für den Mechanismus der Arteriosklerose-Entstehung gibt es deshalb unterschiedliche Theorien.
Es gibt zwei Formen von Cholesterin: das „gute Cholesterin“, kurz HDL, das Fett aus dem Körper entfernt und zur
Leber
bringt, wo es abgebaut wird, und das „schlechte Cholesterin“, LDL. Letzteres transportiert Fett von der Leber in die Körperzellen. Das Fett kann sich dann in die Innenwände der Arterien einlagern und dort eine Entzündung auslösen. Dies stößt dann die Plaque-Bildung an: Weiße Blutkörperchen wandern in die Gefäßwand ein und nehmen dort so viel LDL wie möglich auf. Dabei schwellen die Immunzellen zu sogenannten Schaumzellen an, wodurch weitere Abwehrzellen auf den Plan gerufen werden, die entzündungsfördernde Substanzen freisetzen. Zusammen mit Blutzellen und Schaumzellen bilden sie einen wachsenden „Fettstreifen“ in der Arterienwand – die Basis für arteriosklerotische Plaques.
Auslöser für die Arteriosklerose ist nach dieser Hypothese eine mechanische Verletzung der inneren Arterienwandschicht. Sie kann zum Beispiel durch Bluthochdruck entstehen. Der Körper reagiert auf die Verletzung mit Wucherungen und der Bildung von Schaumzellen – herdförmige Plaques entstehen.
Nach diesem Erklärungsmodell wird die Gefäßinnenwand durch Gifte bestimmter
Bakterien
,
Viren
oder Immunreaktionen geschädigt.
Ältere
Menschen leiden häufiger an Arteriosklerose. Sie betrifft auch mehr
Männer
als Frauen. Den Grund sehen Experten in den weiblichen Hormonen, vornehmlich Östrogen, das einen schützenden Einfluss haben soll. Männer entwickeln die Arteriosklerose auch früher als ihre weiblichen Mitmenschen.
Überdies spielt das Erbgut eine Rolle (
genetische Veranlagung
). Leiden nahe Verwandte (Männer unter 55 Jahren, Frauen unter 65 Jahren) an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung durch die Arteriosklerose, ist auch das Risiko für den Betreffenden erhöht. Vererbbare Fettstoffwechselstörungen, aber auch die geographische Herkunft beeinflussen ebenfalls das Arteriosklerose-Risiko.
Alter, Geschlecht und Erbgut können nicht selbst verändert werden. Doch auch Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes und weitere Aspekte fördern die Krankheitsentstehung in allen Altersgruppen. Die wichtigsten Risikofaktoren sind:
Im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung wird der Arzt Sie nach Ihren
Lebensgewohnheiten
fragen. So kann er ein individuelles Risikoprofil erstellen. Ihn interessiert beispielsweise, ob Sie rauchen, sich regelmäßig und ausreichend bewegen, wie sie sich ernähren oder ob Sie Vorerkrankungen haben, die Arteriosklerose begünstigen. Er erkundigt sich auch nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Familienmitgliedern (
Familienanamnese
).
Durch eine
Blutuntersuchung
kann der Arzt feststellen, ob erhöhte Blutfette (Cholesterin, Triglyceride) und Blutzuckerwerte vorliegen. Zudem bestimmt der Arzt bei Verdacht auf Arteriosklerose Ihren Blutdruck, ihr Gewicht und eventuell Ihren Bauchumfang. Des Weiteren ertastet er Ihren Puls, der bei relevanten Verengungen abgeschwächt ist.
Der Arzt achtet auf Anzeichen von Folgeerkrankungen der Arteriosklerose und führt entsprechende Tests durch. Diese sind zum Beispiel:
Das Ausmaß der Gefäßverengung kann auch mit anderen bildgebenden Verfahren aufgedeckt werden. Durch Röntgenuntersuchungen (inkl. CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) mit Kontrastmittel lassen sich die Blutgefäße bildlich darstellen.
Grundsätzlich kann man Arteriosklerose mit Medikamenten oder mit einer Operation behandeln. Welche Therapie im Einzelfall angewendet wird, hängt vom Ausmaß der Gefäßverengung und den drohenden Komplikationen ab. Noch viel wichtiger ist aber, sofern möglich, Risikofaktoren zu beseitigen.
Wer bereits Arteriosklerose oder ein erhöhtes Risiko für die Krankheit hat, kann durch
Änderungen seiner Lebensweise
deren Entwicklung beziehungsweise ihr Fortschreiten verlangsamen. Im Frühstadium können sich die Plaques in den Gefäßen sogar zurückbilden. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung. Für manche Patienten kann eine cholesterinsenkende Diät sinnvoll sein. Übergewicht sollte reduziert werden, verzichten Sie auf das Rauchen und vermeiden Sie permanenten, negativen Stress.
Spezifische Krankheiten, die das Arterioskleroserisiko erhöhen, müssen behandelt werden. Dazu gehören zum Beispiel Diabetes mellitus oder chronisches Nierenversagen.
Blutdrucksenker
(ACE-Hemmer) können das Arterioskleroserisiko ebenfalls verringern. Andere Wirkstoffe senken die ungünstigen
Blutfettwerte
, etwa
Statine
, Fibrate oder Substanzen, die die Cholesterinaufnahme im
Darm
hemmen.
Für die medikamentöse Behandlung einer fortgeschrittenen Arteriosklerose kommen häufig die gleichen Medikamente zum Einsatz wie für die Behandlung mancher Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese enthalten Wirkstoffe, die die
Blutgerinnung
hemmen und so die Entstehung eines Blutgerinnsels (Thrombus) verhindern können. Beispiele sind
Acetylsalicylsäure
oder
Clopidogrel
.
Lebensbedrohliche Auswirkungen der Arteriosklerose, etwa eine fortgeschrittene Erkrankung der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit) oder ein drohender Verschluss der Beinarterien müssen operativ (beziehungsweise interventionell) behandelt werden. Die Wahl des Therapieverfahrens hängt von der Art und dem Ausmaß der Verkalkung ab.
Verlauf und Prognose einer Arterioskleroseerkrankung hängt von verschiedenen Faktoren ab:
Je früher man sich für eine Umstellung des Lebensstils entscheidet, desto besser sind die Aussichten. Denn die
Arteriosklerose
kann zu schweren Folgeerkrankungen führen – etwa der koronaren Herzkrankheit.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.
Dr. Andrea Bannert ist seit 2013 bei NetDoktor. Die promovierte Biologin und Medizinredakteurin forschte zunächst in der Mikrobiologie und ist im Team die Expertin für das Klitzekleine: Bakterien, Viren, Moleküle und Gene. Sie arbeitet freiberuflich zudem für den Bayerischen Rundfunk und verschiedene Wissenschaftsmagazine und schreibt Fantasy-Romane und Kindergeschichten.
Arteriosklerose
Arteriosklerose: Beschreibung
Arteriosklerose: Symptome
Arteriosklerose: Ursachen und Risikofaktoren
Lipoprotein-induced-atherosclerosis-Hypothese zur Arteriosklerose-Entstehung
Response-to-injury-Hypothese zur Entstehung von Arteriosklerose
Infektionshypothese zur Arteriosklerose-Entstehung
Arteriosklerose-Risikofaktoren
Arteriosklerose: Untersuchungen und Diagnose
Arteriosklerose: Behandlung
Lebensstiländerungen und medikamentöse Behandlung
Chirurgische Behandlung
Arteriosklerose: Krankheitsverlauf und Prognose
Autoren- & Quelleninformationen