Illness name: mundkrebs
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Mundkrebs, auch Mundhöhlenkarzinom genannt, ist ein bösartiger Tumor in der Mundhöhle, der meistens durch übermäßigen Tabak- oder Alkoholkonsum entsteht. Der Tumor ist durch weiße oder rötliche Flecken, beispielsweise an der Zunge oder am Zahnfleisch, zu erkennen. Mundkrebs erfordert immer eine medizinische Behandlung. Je früher er diagnostiziert wird, desto besser ist die Prognose. Erfahren Sie hier mehr über Symptome, Behandlung und Diagnostik.
Mundkrebs oder Mundhöhlenkrebs wird fachsprachlich Mundhöhlenkarzinom genannt. Es handelt sich um einen bösartigen Tumor (malignes Karzinom) im
Mund
. Die Bezeichnung Mundhöhlenkarzinom ist ein Sammelbegriff, der alle bösartigen Krebsvarianten, die im Zusammenhang mit Strukturen der Mundhöhle vorkommen, umfasst.
Mundhöhlenkrebs zählt weltweit zu den am häufigsten diagnostizierten Krebsarten. So treten in Deutschland durchschnittlich etwa 10.000 neue Fälle pro Jahr auf. Männer im Alter zwischen 55 und 65 Jahren sind öfter betroffen als Frauen, bei denen Mundkrebs meist im Alter zwischen 50 und 75 Jahren festgestellt wird. In Westeuropa beträgt die Anzahl neuer Fälle pro 100.000 Einwohner bei Männern 6,9 und bei Frauen 3,2.
Mundkrebs ist ein bösartiger Tumor, dem eine spontane Entartung von Zellen in der
Mundschleimhaut
zugrunde liegt, die sich anschließend unkontrolliert vermehren. Mediziner bezeichnen diesen Vorgang als Karzinogenese. Ursache ist der Einfluss von krebserregenden Substanzen. Bei Mundhöhlenkrebs sind es vor allem die zum Beispiel in Tabak enthaltenen Nitrosamine, die in die Hautzellen eindringen und das Erbgut der Zelle verändern.
Zu den Hauptrisikofaktoren, die mit der Bildung von Mundhöhlenkrebs in Verbindung stehen, zählen Tabak und Alkohol. Ein übermäßiger oder chronischer Konsum von Tabak oder Alkohol erhöht das Risiko, an Mundhöhlenkrebs zu erkranken, um das Sechsfache. Wer gleichzeitig Tabak und Alkohol konsumiert, steigert sein Risiko für Mundkrebs sogar auf das 30-Fache.
Ein weiterer Risikofaktor für Mundkrebs ist eine einseitige und sehr fleischhaltige Ernährung. Insbesondere stark gebratene Lebensmittel bergen wegen der enthaltenen Nitrosamine ein erhöhtes Risiko. Im asiatischen Raum spielt der übermäßige Konsum der Betel-Nuss, die – ähnlich wie Koffein – psychoaktive Substanzen enthält, eine Rolle. Sie hat jedoch in westlichen Ländern keine wesentliche Relevanz für die Entstehung von Mundhöhlenkrebs.
Einige Studien weisen darauf hin, dass humane Papillomaviren (HPV) ein Risiko für Mundkrebs darstellen. Der geschätzte Anteil an aktuell an Mundkrebs erkrankten Menschen, bei denen die Erkrankung auf eine HPV-Infektion zurückzuführen ist, liegt aber unter fünf Prozent.
Es wird zudem vermutet, dass eine genetische Veranlagung (Prädisposition) die Entstehung von Mundkrebs zusätzlich begünstigt.
In über 90 Prozent der Fälle ist bei Mundkrebs die Mundschleimhaut krankhaft verändert, weshalb es sich bei dieser Tumorart meist um ein sogenanntes
Plattenepithelkarzinom
(Squamous Cell Carcinoma, kurz SCC) handelt. Aber auch in anderen Teilen, wie der Muskulatur, den Drüsen oder lymphatischen Geweben, bilden sich mitunter bösartig veränderte Zellen. In folgenden Bereichen der Mundhöhle tritt Mundkrebs auf:
Ein Mundhöhlenkarzinom entwickelt sich meist über einen längeren Zeitraum und wird oft erst spät entdeckt. Erste Hinweise für eine krankhafte Veränderung in der Mundhöhle sind auffällige weiße oder rötliche Flecken. Mediziner bezeichnen diese als Leukoplakie und Erythroplakie. Dies sind krankhafte Hautveränderungen, die farblich hervortreten und sich nicht wegwischen lassen. Es handelt sich um Krebs-Vorstufen, die sich häufig zu bösartigen Tumoren entwickeln.
Neben farblichen Veränderungen deuten raue, verdickte oder verhärtete Stellen auf eine mögliche Erkrankung hin, insbesondere, wenn sie länger als zwei Wochen bestehen und schmerzhaft sind. Häufig berichten Patienten mit Mundkrebs auch von Taubheitsgefühlen an Zunge, Zähnen oder Lippen, unklaren Blutungen sowie Kau- und Schluckbeschwerden. Letzteren liegen zum Beispiel gelockerte
Zähne
oder Schwellungen im
Rachen
zugrunde.
Lässt sich die Zunge nicht problemlos bewegen, führt dies häufig zu Schwierigkeiten beim Sprechen. Nicht selten leiden Betroffene unter Mundgeruch und Appetitlosigkeit, die häufig mit Gewichtsverlust und Leistungsschwäche sowie
Müdigkeit
einhergehen.
Die genannten Symptome sind mitunter Anzeichen für andere, weniger schwerwiegende Erkrankungen und sind daher unbedingt mit einem Arzt abzuklären.
Prinzipiell gibt es die Möglichkeit, einen Tumor in der Mundhöhle operativ zu entfernen oder mit Hilfe einer Strahlentherapie und/oder Chemotherapie zu behandeln. Welche Behandlungsmethode letztlich die geeignetste ist, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. So spielen das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand des Betroffenen eine entscheidende Rolle.
Wichtiger ist aber der Schweregrad der Erkrankung. Vor jedem Eingriff wird daher eine umfassende Diagnostik durchgeführt. Die Ergebnisse geben darüber Auskunft, um welches Tumor-Stadium es sich handelt und welche Behandlungserfolge und Risiken jeweils zu erwarten sind. Den endgültigen Behandlungsplan stellt ein interdisziplinäres Team aus behandelnden Ärzten gemeinsam mit dem Patienten zusammen.
Ärzte teilen Krebserkrankungen wie Mundkrebs in Tumor-Stadien ein, um die geeignete Behandlungsmethode zu wählen. Die Kategorisierung des Tumors bezüglich seiner Ausbreitung erfolgt gemäß der TNM-Klassifizierung. Die Bezeichnung TNM bezieht sich darauf, wie groß und ausgedehnt der Tumor (T) ist, ob und wie viele Lymphknoten (N, englisch: Nodes) betroffen sind und ob der Tumor gestreut hat, also Metastasen (M) vorliegen. Je nach Tumor-Stadium ermitteln die Ärzte die Therapie, die den bestmöglichen Behandlungserfolg von Mundkrebs verspricht.
In den meisten Fällen von Mundkrebs ist die operative Entfernung des Tumors (Resektion) die Behandlung der Wahl. Der Vorteil liegt darin, dass sich das geschädigte Gewebe durch eine Operation und Entfernung des Tumors – sofern möglich – genau begutachten lässt. Dadurch ist es möglich, den Tumor klarer abzugrenzen und zu sehen, ob und inwieweit sich schon Metastasen gebildet haben.
In manchen Fällen lässt sich der Tumor nicht vollständig entfernen. Dann wird eine zusätzliche Strahlen- und/oder Chemotherapie durchgeführt. Falls die Lymphknoten befallen sind, werden auch diese soweit möglich entfernt.
Nach einer Resektion, bei der auch ein großer Anteil des gesunden Gewebes entnommen werden muss, wird der betroffene Bereich wiederaufgebaut (rekonstruiert). Entweder direkt in einer Operation oder in Folgebehandlungen. Für die Rekonstruktion wird, soweit dies möglich ist, körpereigenes Gewebe wie Haut, Knochen oder Muskeln aus anderen Körperregionen entnommen und wiedereingesetzt (transplantiert).
Bei der Planung und Durchführung einer Rekonstruktion fließen mehrere Faktoren ein, die wichtig für die Verbesserung der Lebensqualität des Betroffenen sind. Einerseits sind es funktionelle Aspekte (wie Kauen, Schlucken, Sprechen), andererseits spielt die Ästhetik eine besondere Rolle.
Üblicherweise folgt einer Operation bei Mundkrebs eine Strahlen- oder Chemotherapie, um die Behandlung zu unterstützen und Rückfällen (Rezidiven) vorzubeugen. Beide Therapieformen werden in Kombination oder jeweils allein angewendet. Letzteres ist insbesondere dann der Fall, wenn eine Operation nicht möglich ist oder um Beschwerden zu lindern.
Bei der Strahlentherapie unterscheiden Ärzte zwei grundsätzliche Verfahrensweisen:
Die Brachytherapie wird bei Mundkrebs vor allem bei kleineren Tumoren angewendet, die gut erreichbar sind. Bei größeren Tumoren in späteren Stadien erfolgt die Bestrahlung meist von außen über die Haut. In der Regel wird die Bestrahlung in mehreren kleinen Einzeldosen verabreicht, um eine weitere Schädigung des umliegenden gesunden Gewebes zu vermeiden beziehungsweise zu vermindern.
Eine Methode, die die Strahlentherapie zur Behandlung von sehr aggressiven Tumoren ergänzt, ist die Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Diese zusätzliche Protonenbestrahlung minimiert die Strahlenmengen in den Randbereichen des Tumors und hilft dabei, das umliegende gesunde Gewebe zu schützen. Befinden sich zum Beispiel sensible Gewebe wie versorgende Nerven und
Blutgefäße
in unmittelbarer Nähe eines Tumors, wird eine unterstützende PET-Behandlung empfohlen.
Die Chemotherapie ist eine ebenfalls übliche Behandlung bei Mundkrebs. Als alleinige Therapie für eine Heilung, das heißt zur kurativen Behandlung, reicht sie allerdings nicht aus. Sie wird daher meist mit der Strahlentherapie kombiniert. Bei der Chemotherapie werden Medikamente, sogenannte Zytostatika, mit Wirkstoffen wie
Cisplatin
, Carboplatin, 5-Fluorouracil, Paclitaxel und Docetaxel verabreicht. Sie hemmen die Teilung und das Wachstum von Zellen. Das bedeutet, dass sich sowohl Krebszellen als auch andere Körperzellen nicht weiter vermehren können.
Nach erfolgreicher Behandlung stellen die Ärzte einen optimal ausgerichteten Nachsorgeplan auf, der unter Umständen weitere Therapien einschließt. Teil dieses Plans sind regelmäßige Kontrollen, um Rückfällen vorzubeugen, und die Behandlung von Begleiterkrankungen oder Nebenwirkungen. Ebenso wichtig ist, dass der Patient während der gesamten Behandlungszeit eine psychosoziale Unterstützung erhält, zum Beispiel durch einen Psychoonkologen (einen Arzt, der auf die psychische Betreuung von Krebspatienten spezialisiert ist).
Wie bei anderen Krebserkrankungen, hängt die Heilung von Mundkrebs von verschiedenen Faktoren ab. Es gilt jedoch: Je früher diagnostiziert, desto größer sind die Heilungschancen. Unbehandelt verschlechtert sich die Krankheit in den meisten Fällen zunehmend. Das bedeutet: Je weiter der Mundkrebs fortschreitet, desto schlechter ist die Prognose.
Verschiedene Studien zeigen, dass es häufig innerhalb von zwei Jahren nach erfolgreicher Behandlung zu einem Rückfall kommt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Mundkrebs erneut auftritt, ist umso größer, je später die Erstdiagnose gestellt wurde und je weiter der Krebs bereits fortgeschritten war.
Ärzte sprechen bei Mundhöhlenkrebs von einer mittleren Fünf-Jahres-Überlebensrate von etwa 50 Prozent. Das bedeutet, dass die Hälfte der Patienten innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose verstirbt. Die andere Hälfte hingegen lebt länger als fünf Jahre oder wird geheilt.
Da sich die Prognose von Mundhöhlenkrebs verschlechtert, je später er erkannt wird, ist eine frühe Diagnose wichtig. Mundkrebs entwickelt sich zuerst im Mundraum. Er wird daher häufig durch Zahnärzte entdeckt, aber auch durch andere Fachärzte, die bei der Behandlung von Erkrankungen im Mundbereich eine Rolle spielen. Dazu zählen zum Beispiel Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Kieferorthopäden und Kieferchirurgen.
Bei Mundhöhlenkrebs kommt es häufig zur Bildung von Metastasen (Absiedelungen des Tumors). So sind unter Umständen auch die Lymphgefäße beziehungsweise Lymphknoten sowie Blutgefäße, Nerven und Knochen betroffen. Für die Diagnostik ist es daher wichtig, eine umfassende Untersuchung durchzuführen, die auch Nachbargewebe einschließt.
Beim Verdacht auf Mundkrebs untersucht der Arzt zunächst gründlich die Mundhöhle. Zudem stellt er Fragen zur Lebensweise, zum Beispiel ob der Patient raucht oder viel Alkohol trinkt. Um den Mundraum genauer zu inspizieren, führt der Arzt oft eine Spiegeluntersuchung (
Endoskopie
) durch. Dabei kann er Gewebeproben aus dem verdächtigen Bereich entnehmen (Biopsie), die anschließend auf Tumorzellen untersucht werden.
Falls sich der Verdacht auf Mundhöhlenkrebs bestätigt, ist eine weitere Diagnostik nötig. Ein Mundhöhlenkarzinom befällt unter Umständen weitere Bereiche im Körper und bildet Metastasen, zum Beispiel in benachbarten oder entfernteren Köperregionen wie dem Kiefer- und Schädelknochen oder in der Luftröhre bis hin zur
Lunge
. Um dies möglichst frühzeitig zu überprüfen, führt der Arzt weitere Untersuchungen wie Ultraschall- und Röntgenaufnahmen sowie gegebenenfalls eine Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET) durch.
Es ist wichtig, die jährlichen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt wahrzunehmen – nicht nur für die Zahngesundheit, sondern auch um Tumoren im Mundraum frühzeitig zu entdecken.
Um Mundkrebs vorzubeugen, empfehlen Ärzte zum einen, auf Tabak und den übermäßigen Konsum von Alkohol zu verzichten. Zum anderen ist es ratsam, die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt wahrzunehmen und sich bezüglich einer sorgfältigen Mund- und Zahnpflege beraten zu lassen.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.
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Mundkrebs
Kurzübersicht
Was ist Mundkrebs (Mundhöhlenkrebs)?
Häufigkeit
Ursachen
Risikofaktoren
Wo tritt Mundkrebs (Mundhöhlenkrebs) auf?
Woran erkennt man, dass man Mundkrebs hat?
Ist Mundhöhlenkrebs heilbar oder tödlich?
Einteilung der Tumor-Stadien
Operation
Strahlentherapie und Chemotherapie
Prognose
Kann ein Zahnarzt Mundkrebs erkennen?
Erstdiagnose
Wie kann man Mundkrebs vorbeugen?
Autoren- & Quelleninformationen