Illness name: chinesischer leberegel
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Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.
Chinesischer Leberegel
(Clonorchis sinensis) ist ein Parasit. Der Saugwurm befällt die Gallengänge des Menschen und führt dort zu Entzündungen. Er ist vor allem in Ostasien verbreitet. Mit einem Wurmmittel lässt sich der chinesische Leberegel gut behandeln. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Chinesischer Leberegel.
Der Chinesische Leberegel (
Clonorchis sinensis
oder
Opisthorchis sinensis
) ist ein kleiner, lanzettähnlicher Wurm. Der Parasit verursacht bei Menschen die Infektionskrankheit Clonorchiasis (Opisthorchiasis). Manchmal sind auch verwandte Arten Auslöser der Erkrankung:
Opisthorchis felineus
(Katzenleberegel) und
Opisthorchis viverrini
.
Der Chinesische Leberegel gehört zur Klasse der Saugwürmer (Trematoden) und ist ein Zwitter. Er ist vor allem in Südostasien verbreitet, aber auch im südpazifischen Raum, in Afrika und im mittleren Osten. Der Schmarotzer benötigt einen Wirt, von dem er sich ernährt. Je nach Entwicklungsstufe parasitiert er in verschiedenen Wirtstieren, zu denen auch der Mensch zählt. In Ostasien sind etwa 40 Millionen Menschen vom Chinesischen Leberegel befallen.
Ein chinesischer Leberegel befällt hauptsächlich die Gallengänge. Deshalb äußert sich die Clonorchiasis vor allem durch Beschwerden, die durch eine Verlegung oder Entzündung der Gallenwege bedingt sind. Dazu zählen:
Nicht immer macht ein chinesischer Leberegel-Befall Beschwerden. Viele Patienten bemerken ihn nicht. Erst wenn über 100 Würmer im Körper sind, klagen Patienten über Symptome.
Als Parasit nutzt ein chinesischer Leberegel andere Lebewesen, um sich zu vermehren und heranzureifen. Wenn die Larven (Mirazidien) von
Clonorchis sinensis
ins Süßwasser gelangen, suchen sie sich dort Wasserschnecken als Zwischenwirte. In ihnen reifen sie zu einer weiteren Larvenart - den Zirkarien - heran. Diese werden ins Wasser freigesetzt und können dort die Haut von karpfenartigen Süßwasserfischen durchbohren, die sie als weiteren Zwischenwirt nutzen.
Wird der befallene Süßwasserfisch anschließend von Mensch, Hund oder Katze verspeist, gelangen die Larven über den Magen-Darm-Trakt in die Gallengänge dieser Endwirte. Dort wachsen sie innerhalb von etwa vier Wochen zu geschlechtsreifen, zwei Zentimeter großen Leberegeln heran. Sie legen Eier, die mit dem Stuhl über den
Darm
des Wirtes ausgeschieden werden.
Der wichtigste Risikofaktor für einen Ansteckung mit
Clonorchis sinensis
ist der Verzehr von rohem Fisch. Achten Sie deshalb darauf, dass Fisch bei der Zubereitung immer ausreichend lange und stark (auf 55° C) erhitzt wird. Dadurch sterben die Larven ab, und der Mensch kann sich nicht mehr infizieren.
Ein chinesischer Leberegel profitiert auch von schlechten hygienischen Verhältnissen. Wenn Fäkalien nicht professionell entsorgt werden, sondern das Abwasser in umliegende Gewässer geleitet wird, gelangen die Wurmeier aus dem Stuhl ins Süßwasser. Dort treffen sie auf Wasserschnecken, in denen sie sich weiterentwickeln.
Wenn Sie sich nach einem Auslandsaufenthalt krank fühlen, sollten Sie zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen. Er befragt Sie ausführlich zu Ihrer Krankengeschichte (
Anamnese
). Mögliche Fragen sind:
Anschließend untersucht Ihr Arzt Sie. Dabei tastet er Ihren Bauch ab, um ihn auf Schmerzhaftigkeit hin zu untersuchen. Danach ertastet er ihren Leberrand sowie Ihre
Milz
, um eine mögliche Vergrößerung der Organe festzustellen.
Oft ist die körperliche Untersuchung bei Durchfallerkrankungen nicht eindeutig, sodass eine Stuhlprobe von Ihnen in einem Labor auf verschiedene Erreger hin analysiert werden muss. Ein chinesischer Leberegel wird nicht direkt nachgewiesen. Vielmehr werden in Stuhl,
Galle
oder Sekret aus dem
Zwölffingerdarm
(Duodenalsekret) Wurmeier gesucht.
Wurden Wurmeier vom Chinesischen Leberegel im Stuhl nachgewiesen, erhalten Sie ein Medikament mit dem Wirkstoff Praziquantel. Das ist ein Wurmmittel (Antihelminthikum), das geschluckt werden kann. Es lähmt den chinesischen Leberegel und tötet ihn dadurch ab. Der Parasit wird dann mit dem Stuhl ausgeschieden. Praziquantel muss drei Wochen lang eingenommen werden. Dann wird der Stuhl erneut auf Wurmeier untersucht.
Bei richtiger und schneller Behandlung hat ein Chinesischer Leberegel-Befall eine gute Prognose. Ohne Therapie kann der Parasit dagegen bis zu 30 Jahre in den Gallengängen des Menschen überleben und Eier legen. Durch die lange und ständige Reizung der Gallenwege wird so das Risiko für bösartige Erkrankungen wie Gallengangskrebs (Gallengangskarzinom) erhöht. Außerdem erhöht ein
Chinesischer Leberegel
-Befall das Risiko für Leberzirrhose,
Gallensteine
,
Bauchspeicheldrüsenentzündung
(Pankreatitis) und eine Vergrößerung von
Leber
und Milz (Hepatosplenomegalie).
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.
Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.
Chinesischer Leberegel
Chinesischer Leberegel: Beschreibung
Chinesischer Leberegel: Symptome
Chinesischer Leberegel: Ursachen und Risikofaktoren
Chinesischer Leberegel: Risikofaktoren
Chinesischer Leberegel: Untersuchungen und Diagnose
Chinesischer Leberegel: Behandlung
Chinesischer Leberegel: Krankheitsverlauf und Prognose
Autoren- & Quelleninformationen