Illness name: lichen sclerosus
Description:
Fabian Dupont ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Der Humanmediziner ist bereits für wissenschaftliche Arbeiten unter anderem Belgien, Spanien, Ruanda, die USA, Großbritannien, Südafrika, Neuseeland und die Schweiz. Schwerpunkt seiner Doktorarbeit war die Tropen-Neurologie, sein besonderes Interesse gilt aber der internationalen Gesundheitswissenschaft (Public Health) und der verständlichen Vermittlung medizinischer Sachverhalte.
Lichen sclerosus
ist eine seltene, nicht ansteckende Hautkrankheit. Sie tritt vor allem bei Frauen auf, seltener bei Männern und Kindern. Besonders häufig sind die Genitalschleimhäute betroffen, die Haut kann stark jucken und sich wund anfühlen. Kortisonhaltige Präparate können die Beschwerden von Lichen sclerosus lindern. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Lesen Sie mehr über Symptome und Behandlung von Lichen sclerosus!
Lichen sclerosus ist eine seltene, entzündliche Bindegewebserkrankung, die
hauptsächlich erwachsene Frauen
betrifft. Seltener erkranken Kinder und Männer daran.
Bei den Betroffenen bilden sich einzeln oder in Gruppen
weißliche, harte Hautknoten
, oft verbunden mit
Juckreiz
. Die Hautveränderungen können miteinander verschmelzen und an Narbengewebe erinnern. Am häufigsten ist die
Genitalregion
betroffen. Die Hautveränderungen können aber auch im Bereich um den After, in der Rücken-Schulter-Region oder an den Oberschenkelinnenseiten auftreten. Sind nur die Geschlechtsorgane befallen, spricht man auch vom
Lichen sclerosus genitalis
.
Die Ursachen der Bindegewebserkrankung sind noch unklar. Allerdings ist Lichen sclerorus
nicht ansteckend
.
Weil viele Betroffene Hemmungen habenviele Menschen Hemmungen, mit der Erkrankung zum Arzt zu gehen, sodass viele Patienten nicht oder erst spät erkannt werden.
Genitaler Lichen sclerosus geht typischerweise mit längerfristigem
Juckreiz
oder auch
Brennen
einher. Das Jucken tritt oft schubweise auf, kann aber auch fehlen oder nur ganz schwach ausgeprägt sein. Die
Haut
verhärtet
sich, sie ist
besonders verletzlich
und kann daher leicht einreißen (z.B. durch Kratzen), bluten und sich entzünden. Durch das Kratzen kann es in die Unterhaut einbluten, sodass der Lichen sclerosus rot unterlaufen und krustig erscheint. Meist sind die Hautveränderungen aber
weißlich-narbig
, ohne oder mit weniger Hautpigmentation.
In fortgeschrittenen Krankheitsstadien kann es durch
Narbenbildung und Gewebeschwund
(Atrophie) zu
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
kommen. Durch die Atrophie können sich bei Frauen die
Schamlippen
zurückbilden. Beim Mann lässt sich aufgrund von Verwachsungen der Haut die
Vorhaut
nicht mehr oder nur schwer zurückschieben (
Phimose
) – Lichen sclerosus ist die häufigste Ursache einer nicht angeborenen Vorhautverengung. Die Verengung kann
Erektion
und
Ejakulation
beeinträchtigen und den Sex schmerzhaft machen. Außerdem erschwert sie die Intimhygiene, was Infektionen unter der Vorhaut begünstigt. Mögliche Folge ist eine
Entzündung der Eichel
(Balanitis).
Bei beiden Geschlechtern können infolge von Narbenbildung und Hautschrumpfung auch
Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang
auftreten.
Die genaue Ursache des Lichen sclerosus ist bis heute unklar. Experten diskutieren
verschiedene Theorien
, die von genetischer Veranlagung über mögliche Infektionen bis hin zu einem hormonellen Ungleichgewicht reichen. Keine dieser Theorien ist jedoch ausreichend belegt.
Fest steht, dass bei Patienten mit Lichen sclerosus der
Hautaufbau langfristig verändert
ist und an Narbengewebe erinnert, weil die Zellen, die für die Produktion von Binde- und Narbengewebe zuständig sind (Fibroblasten), übermäßig aktiv sind. Auch die Verteilung der kleinen Haargefäße (
Kapillaren
) und die Menge an
Hyaluronsäure
, einem wichtigen Bestandteil des Bindegewebes, ist in den krankhaft veränderten Hautpartien gestört.
Unterstützt wird die Theorie des hormonellen Einflusses durch den Umstand, dass Frauen, die vor der Menopause die Pille nehmen, ein erhöhtes Risiko für Lichen sclerosus haben. Andere Wissenschaftler halten Lichen sclerosus für eine Autoimmunerkrankung – also eine Störung der körpereigenen Immunabwehr.
Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist der Lichen sclerosus
weder ansteckend noch durch Geschlechtsverkehr übertragbar
.
Der erste Verdacht auf Lichen sclerosus ergibt sich für den Arzt meist bereits beim Begutachten der Hautveränderungen. Allerdings gibt es viele weitere Erkrankungen, die ähnliche Veränderungen hervorrufen können. Deshalb entnimmt der Arzt eine Hautprobe, die im Labor unter dem Mikroskop feingeweblich untersucht wird. So lassen sich infektiöse und bösartige Hautveränderungen ausschließen und die Verdachtsdiagnose Lichen sclerosus absichern.
Da die Ursache des Lichen sclerosus noch nicht endgültig geklärt ist, richtet sich die Therapie lediglich allgemein gegen die Hautveränderungen. In der Regel besteht sie in einer
abgestuften Kortisontherapie
(Stoßtherapie mit anschließender Erhaltungstherapie). Meist kommen dabei Kortison-Cremes zum Einsatz, die besonders im Genitalbereich den störenden Juckreiz lindern und die Entzündungen dämpfen können. In schwereren Fällen kann der Arzt auch Kortison-Spritzen direkt in das betroffenen Hautgewebe verabreichen.
Wird Kortison nicht vertragen, kommt alternativ manchmal ein sogenannter Calcineurinhemmer wie
Tacrolimus
zur Anwendung. Er unterdrückt (wie Kortison) das Immunsystem.
In manchen Fällen kann ein
operativer Eingriff
notwendig sein – etwa wenn bei Frauen der Scheideneingang durch die Erkrankung so weit verengt ist, dass auch regelmäßiges Dehnen mit sogenannten Dilatatoren nichts mehr nützt. Und bei männlichen Patienten mit Vorhautverengung infolge von Lichen sclerosus sollte die Penisvorhaut frühzeitig beschnitten werden.
Generell wichtig bei Lichen sclerorus ist zudem die richtige
Hautpflege
. Die empfindlichen Hautpartien sollten regelmäßig mit rückfettenden Produkten (wie Salben, Ölen etc.) behandelt werden. Das verringert etwa das Spannungs- und Trockenheitsgefühl.
Seit einigen Jahren werden zur Behandlung von Lichen sclerosus verschiedene Lasertypen eingesetzt. Die Verfahren werden teils noch in Studien erforscht. Ihre Wirksamkeit lässt sich noch nicht abschließend beurteilen. Wer sich für eine Laserbehandlung interessiert, sollte sich von einem Arzt beraten lassen, der sowohl mit
Lasertherapie
als auch mit dem Krankheitsbild Lichen sclerorus ausreichend Erfahrung hat – und nicht um jeden Preis lasern will.
Beim Lichen sclerosus handelt es sich um eine chronische, langsam voranschreitende Erkrankung. Die Behandlung richtet sich nach den Krankheitsphasen und den aktuellen Beschwerden, eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Leider sind die derzeit bekannten Behandlungsmöglichkeiten nicht bei allen Erkrankten gleichermaßen wirksam, sodass der Leidensdruck durch den Lichen sclerosus von Patient zu Patient stark variieren kann.
Grundsätzlich ist Lichen sclerosus eine gutartige Erkrankung. Betroffene haben aber ein erhöhtes Risiko für
Hautkrebs
. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen beim Hautarzt wichtig. So können mögliche bösartige Hautveränderungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.
Fabian Dupont ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Der Humanmediziner ist bereits für wissenschaftliche Arbeiten unter anderem Belgien, Spanien, Ruanda, die USA, Großbritannien, Südafrika, Neuseeland und die Schweiz. Schwerpunkt seiner Doktorarbeit war die Tropen-Neurologie, sein besonderes Interesse gilt aber der internationalen Gesundheitswissenschaft (Public Health) und der verständlichen Vermittlung medizinischer Sachverhalte.
Lichen sclerosus
Lichen sclerosus: Beschreibung
Lichen sclerosus: Symptome
Lichen sclerosus: Ursachen und Risikofaktoren
Lichen sclerosus: Untersuchungen und Diagnose
Lichen sclerosus: Behandlung
Neue Therapieansätze
Lichen sclerosus: Krankheitsverlauf und Prognose
Autoren- & Quelleninformationen