Illness name: anaphylaktischer schock
Description:
Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).
Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.
Ein allergischer Schock ist eine schwere Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers auf eine vermeintlich gefährliche Substanz (Allergen wie Bienengift etc.). Mediziner sprechen auch von einem anaphylaktischen Schock (Anaphylaxie). Häufige Auslöser sind etwa Insektengift (von Bienen, Wespen etc.), Nahrungsmittel (Erdnüsse, Sellerie etc.) und Medikamente (wie Antibiotika). Im schlimmsten Fall erleidet der Betroffene einen Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand! Lesen Sie hier, wie Sie bei einem allergischen Schock richtig Erste Hilfe leisten!
Achtung!
Ein allergischer Schock (anaphylaktischer Schock) kann lebensbedrohlich verlaufen. Deshalb sollten Sie als Ersthelfer sofort handeln:
Allergiker, die anfällig für einen allergischen Schock sind oder bereits einmal einen solchen erlitten haben, sollten stets ein Notfallset mit sich führen. Es beinhaltet drei bis vier Medikamente (je nachdem, welche Symptome bei dem jeweiligen Allergiker zu erwarten sind):
Wie die Medikamente im Notfall einzusetzen sind, erfahren Allergiker von ihrem Arzt.
Bei einem allergischen Schock entwickeln sich die Symptome innerhalb kürzester Zeit nach dem Kontakt mit dem Allergieauslöser (Allergen). Wer überempfindlich auf intravenös verabreichte Medikamente (Spritze,
Infusion
) reagiert, kann schon innerhalb von fünf Minuten die ersten Anzeichen von Anaphylaxie zeigen. Bei Insektenstichen macht sich ein anaphylaktischer Schock nach etwa zehn bis 15 Minuten bemerkbar. Bei einer Nahrungsmittelallergie treten die Schocksymptome ungefähr eine halbe Stunde nach dem Verzehr auf.
Häufig kündigt sich ein allergischer Schock mit diesen Symptomen an:
Je nach Ausmaß der Beschwerden unterscheiden Mediziner vier Schweregrade von Anaphylaxie:
Die Symptome können einzeln oder in unterschiedlichen Kombinationen auftreten. Die anfänglichen Warnzeichen lassen keinen Schluss zu, wie schwer der allergische Schock verlaufen wird!
Beim ersten Kontakt mit einem potenziellen Allergen bildet der Organismus spezifische Antikörper dagegen. Beim nächsten Kontakt kann das übersensible Immunsystem innerhalb von Minuten mit einer heftigen Schockreaktion (anaphylaktischer Schock) reagieren: Die
Blutgefäße
in den Armen und Beinen weiten sich, und die Wand der Gefäße wird durchlässiger. Dadurch strömt Wasser aus den Gefäßen in die Zwischenräume einzelner Zellen und Organe. Beides zusammen – Weitstellung der Gefäße und Flüssigkeitsausstrom – lässt den
Blutdruck absacken
.
Der Körper versucht dem gegenzusteuern: Botenstoffe aus der Gruppe der
Katecholamine
(wie Adrenalin) werden ausgeschüttet. Sie sollen den Blutdruck wieder erhöhen, indem sie die Gefäße eng stellen. Verhindert wird dies aber fatalerweise durch andere Signalstoffe (Mediatoren), die beim Kontakt zwischen Antigen und Antikörper freigesetzt werden (darunter Histamin). Zudem beschleunigt sich der Herzschlag (Tachykardie) beim Versuch, einen ausreichenden Blutfluss und damit die Sauerstoffversorgung aller Körperregionen in Gang zu halten.
Die geschilderten Vorgänge im Körper lösen Symptome aus, die innerhalb kürzester Zeit auf den ganzen Körper (Haut, Atemwege, Herz-Kreislaufsystem, Verdauungstrakt) übergreifen und lebensbedrohlich werden können. Ein anaphylaktischer Schock gilt daher als Notfall und erfordert
sofortige ärztliche Hilfe!
Auch wenn Patienten mit einem anaphylaktischen Schock schnell die richtige Hilfe erhalten und sich die Symptome rasch bessern, sollten sie über mindestens 24 Stunden auf der Intensivstation überwacht werden. Denn selbst nach erfolgter Behandlung können die Symptome nach sechs bis 24 Stunden unvermittelt erneut auftreten. Experten sprechen dann von einem
biphasischen Verlauf
.
Die Letalität ("Tödlichkeit") bei einem anaphylaktischen Schock beträgt ungefähr ein Prozent.
Die Diagnose "anaphylaktischer Schock" steht in der Regel schnell fest, weil die Symptome meist sehr charakteristisch sind. Der Arzt wird sich beim Patienten oder bei Begleitpersonen und Ersthelfern erkundigen, ob es kurz vor Beginn der Beschwerden Kontakt mit möglichen Allergieauslösern gab. Dies könnte zum Beispiel die Einnahme bestimmter Medikamente, der Verzehr bestimmter Lebensmittel oder ein Insektenstich sein.
Außerdem gilt es, andere mögliche Ursachen für die Symptome auszuschließen. Dazu zählen zum Beispiel andere Arten von Schock,
Herzrhythmusstörungen
, Panikattacken und
Schlaganfall
.
Falls es nicht schon Ersthelfer getan haben, wird der alarmierte Arzt die Allergenzufuhr stoppen und den Patienten in eine geeignete Körperposition bringen (z.B. Schocklage, stabile Seitenlage). Danach kann er je nach Schwere des allergischen Schocks und der vorhandenen Symptome weitere Maßnahmen ergreifen. Beispiele:
Ob und wie sich einem anaphylaktischen Schock vorbeugen lässt, hängt vom Allergieauslöser ab:
Insektengift-Allergiker können mit einer spezifischen Immuntherapie (
Hyposensibilisierung
) oftmals erreichen, dass ihr Immunsystem das Gift von Bienen, Wespen und Co. künftig besser toleriert. Das senkt die Wahrscheinlichkeit für einen anaphylaktischen Schock.
Für Menschen, die auf andere Allergene (bestimmte Lebensmittel, Medikamente, Naturlatex etc.) allergisch reagieren, besteht diese Möglichkeit nicht. Ein allergischer Schock lässt sich bei ihnen nur dadurch verhindern, dass der Allergieauslöser strikt gemieden wird.
Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.
Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor (zwischenzeitlich als freie Autorin).
Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.
Anaphylaktischer Schock
Kurzübersicht
Anaphylaktischer Schock: Was tun?
Anaphylaktischer Schock: Notfallset
Anaphylaktischer Schock: Symptome und Schweregrad
Allergischer Schock: Risiken
Anaphylaktischer Schock: Wann zum Arzt?
Anaphylaktischer Schock: Untersuchungen beim Arzt
Anaphylaktischer Schock: Behandlung durch den Arzt
Anaphylaktischem Schock vorbeugen
Autoren- & Quelleninformationen